Die Lage auf Zypern

Wir, Nadja aus München und Paulo aus Florianópolis (Brasilien, Santa Catarina), leben seit Sommer 2018 in Zyperns Hauptstadt Nikosia und haben uns seit der Ankunft mit dem außer Kontrolle geratenen Streunerproblem befasst.

Zypern hat schon lange eine Überpopulation an freilebenden Katzen, die Zahl wird mittlerweile auf über 1,5 Millionen geschätzt. Zum Vergleich: Auf der Insel leben nur ca. 1,2 Millionen Menschen. Zypern beherbergt also weit mehr Katzen als Menschen. Viele von diesen Katzen sind in sehr schlechten Zustand: Unterernährt, mit Wunden und Narben übersäht und von Parasiten halb "aufgefressen".

Foto: "Feral cats sitting" on www.humanesociety.org
Foto: "Feral cats sitting" on www.humanesociety.org

Auf Zypern gab es schon immer Katzen. Wenn man die Geschichte der Domestizierung zurückverfolgt findet man Zypern sogar als "den" Geburtsort der domestizierten Katzen, unseren heutigen Hauskatzen.

Zudem tummelten sich einst unzählige giftige Schlangen auf der Insel. So begann man im Jahr 423 nC hunderte von Katzen auf die Insel zu befördern, damit diese den Schlangen den Garaus machten.

Zypern hat es jedoch versäumt, der wachsenden Population rechtzeitig Einhalt zu gebieten. Die Tiere wurden nicht kastriert und die Zahl der Katzen auf der Insel vermehrte sich unkontrolliert. Es zeigt sich immer wieder, dass den Katzen auf Zypern trotz ihrer wichtigen Rolle als Pestbekämpfer nur wenig Bedeutung gegeben wird. Viele sehen die Tiere selbst als Pest an und weigern sich, sich um die Katzen zu kümmern oder zur Lösung des Problems beizutragen. Die meisten Zyprioten sind der Ansicht, dass die Katzen einfach sich selbst überlassen werden sollten und das die Natur das schon selbst regele.

Foto: Emre Gencer - Unsplash
Foto: Emre Gencer - Unsplash

Die Regierung startete kurz vor der Wirtschaftskrise sogenannte TNVR-Programme (Trap-neuter-vaccinate-release, das Einfangen, kastrieren bzw. sterilisieren, impfen und anschließende freilassen von Straßenkatzen). Dieses wurde jedoch aufgrund der bald darauf folgenden Krise kurz nach seinem Beginn wieder eingestampft. Auf die Mithilfe der Einheimischen ist nicht zu setzen und somit wächst und wächst die Katzenpopulation unkontrolliert.

In den zwei Jahren, in denen wir in Nicosia leben, haben wir bereits unzählige Katzen eingefangen, kastrieren bzw. sterilisieren lassen und wieder freigelassen, haben "Katzenstationen" mit Futterstellen und wettersicheren Schlafplätzen in Nicosias Park errichtet und kümmern uns derzeit um ca. 70 freilebende Katzen in der Hauptstadt. Wundversorgung nach Verletzungen sowie tierätztliche Behandlungen aufgrund von Infektionen und Parasiten stehen an der Tagesordnung. Die freie Wildbahn ist für diese Streuner nicht optimal, schon gar nicht in einer Stadt. Zu weit sind die Gene schon hin zur domestizierten Katze verändert, zu weit weg haben sie sich von den wilden Vorfahren entfernt.

Foto: Jerry Wang - Unsplash
Foto: Jerry Wang - Unsplash

Die Katzen sind Gefahren wie Verkehr, herrenlosen Hunden und Giftködern ausgesetzt, die Tierheime auf Zypern sind zum Bersten voll. Zudem kommen Krankheiten die sich in den Katzenkolonien rasant ausbreiten und vor allem die neugebornen Kätzchen befällt. Die Resourcen sind knapp, von der Regierung bekommen die wenigen Freiwilligen und Organisationen, die sich um diese Straßenkatzen kümmern, nur wenig Unterstützung. Futter und tierärtzliche Behandlungen werden meist aus der eigenen Tasche bezahlt. Nicht selten kommt es zu Revierkämpfen um die wenigen sicheren Futterplätze, meist mit schlimmen Folgen.

Nur ca. 50% der neugeborenen Kätzchen überleben die ersten Wochen, die Hälfte dieser Überlebenden stirbt innerhalb des ersten Lebensjahres. Krankheiten, ausgezehrte Mütter, die nicht genügend Milch zur produzieren können und unkastrierte, streunende Hunde und paarungswillige Kater die Kätzchen aus fremden Würfen töten, stellen die größten Gefahren für die Kleinen dar.

Viele dieser Straßenkatzen sind vermittelbar und wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, für so viele Katzen wie möglich ein liebevolles Zuhause zu finden in dem sie ein glückliches Katzenleben führen können. Dies, und TNVR (Trap-neuter-release, ein einfangen und kastrieren mit anschließendem Freilassen) sind die einzigen Möglichkeiten, den Teufelskreis der unkontrollierten Reproduktion der Katzen zu durchbrechen und somit das Leiden und Sterben von unzähligen neugeborenen Kätzchen zu verhindern.

Foto: Nathalie Jolie - Unsplash
Foto: Nathalie Jolie - Unsplash

Mit Ihrer Adoption oder Spende helfen Sie den Katzen in Nicosia, die von ihrer eigenen Heimat so sehr im Stich gelassen werden. Jeder Cent fließt direkt in TNVR-Programme, tierärztliche Behandlugen, Katzenfutter sowie Ausgaben für die Vermittlung ins Ausland.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Sie möchten helfen?